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EasyAcc SoundCup-L: "I'm easy like Sunday Morning" - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Vor einiger Zeit hatte ich einen kompakten, preiswerten Bluetooth-Lautsprecher des Herstellers EasyAcc rezensiert, den BT28S. Dieser kam in meiner Bewertung klanglich nicht so gut weg und missfiel unter anderem durch einen stark überzogenen und dröhnenden Bassbereich, dem es zudem auch noch ganz klar an Kontrolle mangelte.


Nun ist etwas Zeit vergangen und die chinesischen Mitarbeiter von EasyAcc haben dank einer Übersetzungs-Software scheinbar halbwegs verstanden, dass ich eine negative Bewertung abgegeben habe, denn mich erreichte eine E-Mail von Piper. Zu meiner Überraschung und im Gegensatz zu manch anderen chinesischen Amazon-Händlern wollte man mich jedoch nicht dazu drängen, meine Rezension in eine positive umzuwandeln, was ich sowieso nicht getan hätte, sondern man teilte mir mit, meine Kritik an die Entwicklungsabteilung weitergeleitet zu haben und bot mir einen etwas höherwertigen und neueren Bluetooth-Lautsprecher kostenlos und ohne Bedingungen oder Vorgaben an.
Aufgrund meiner
Negativerfahrung mit dem BT28S zögerte ich zunächst ein paar Tage, bis ich auf das Angebot einging, tat es aber letztlich doch, denn das Design des Lautsprechers gefiel mir und ich wollte ihm eine Chance geben.


Ob dieser „SoundCup-L“ genannte Lautsprecher die Fehler des BT28S vermeidet und inwieweit er mit dem
Xiaomi Mi Bluetooth Speaker mithalten kann, zeigt sich in diesem Review.

Erhältlich ist der spritzwassergeschützte EasyAcc SoundCup-L übrigens
bei Amazon.


Lieferumfang:

Geliefert wird der Lautsprecher in einer schick gestalteten und gut ausgepolsterten Verpackung, in der sich neben einer Garantiekarte und sehr knapp gestalteten Schnellstartanleitung noch ein Lade- sowie 3,5 mm AUX-Kabel befinden.


Optik, Haptik, Verarbeitung:

Der Lautsprecher ist recht kompakt und besitzt in etwa die Größe einer 0,5 l-Wasserflasche, weshalb er auch in übliche Wasserflaschenhalterungen für Fahrräder passt, wie die Bilder auf der Amazon-Produktseite zeigen.

Die schützenden Lautsprecher-Gitter sind aus Kunststoff hergestellt und mit Polyesterstoff bezogen. Zum Reinigen lassen sie sich einfach abnehmen und geben dabei den Blick auf die beiden Breitband-Treiber und den ovalen Passivradiator frei. Hierbei stört mich etwas, dass die Breitbänder recht unvorteilhaft positioniert und versetzt angebracht sind, statt sich gegenüberzuliegen.




Während die Breitbänder und der ovale Passivradiator gut geschützt sind, kann man dies vom kleinen, runden Passivradiator, welcher sich auf der Unterseite des Lautsprechers befindet, leider nicht wirklich behaupten, denn dieser liegt relativ frei und ist dadurch weitestgehend ungeschützt. Ein kleines Metall- oder Plastik-Gitter wäre an dieser Position sicherlich nicht ganz fehl am Platz.


Praktisch hingegen ist, dass man den Lautsprecher sowohl stehend als auch liegend aufstellen kann und es für beide Arten flache, jedoch stabile Gummi-Füße gibt.

Das Chassis des Lautsprechers besteht aus mattschwarzem Soft-Touch-Plastik, das zwar nicht so schnell zerkratzt und nicht so billig wie bei manchem Lowest-Budget-Artikel anmutet, aber dennoch haptisch nicht so hochwertig wirkt, wie der Lautsprecher aussieht, was etwas schade ist. Aluminium oder klassischer, rauer Kunststoff wäre mir persönlich als Gehäuse-Material dementsprechend lieber.

Die beiden Tasten besitzen einen guten und angenehmen sowie knackigen Druckpunkt, was man vom aus Kunststoff bestehenden Lautstärke-Einstellrad leider nicht behaupten kann, denn dieses fühlt sich beim Drehen recht billig und undefiniert an, wogegen die hör- und fühlbaren Rasten leider auch nicht helfen. Nervig ist auch, dass eine Eingabe über das Rad nicht immer als solche erkannt wird und sich die Lautstärke dann solange nicht ändert, bis man ein paar Rasten übersprungen hat.
Gut hingegen gefällt mir das Design der Oberseite mit der berührungsempfindlichen Oberfläche sowie den LED-Flächen.




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=> Während der Lautsprecher optisch durchaus überzeugen kann, gibt es haptisch ein paar Dinge, die Anlass zu etwas Kritik geben.


Tasten, Anschlüsse, Funktionen:

Auf der Vorderseite des Lautsprechers befinden sich zwei Tasten sowie ein kleines Loch, hinter dem sich ein Mikrofon verbirgt.

Die obere Taste dient zum Ein- und Ausschalten des Lautsprechers, was leider mit einem ziemlich lauten Gitarren-Jingle begleitet wird, dessen Lautstärke nicht anpassbar ist und das sich nicht deaktivieren lässt. Zusätzlich dient ein kurzer Druck auf diese Taste zum Pausieren respektive Fortsetzen der Musikwiedergabe. Ein schneller Doppelklick soll laut Bedienungsanleitung die aktuelle Bluetooth-Verbindung trennen.

Die untere der beiden Tasten trägt die Beschriftung „MODE“ und bietet dem Nutzer die Möglichkeit, zwischen einem Indoor- und einem Outdoor-Modus zu wechseln. Ersterer ist nach dem Einschalten automatisch aktiviert und spendiert dem Lautsprecher eine kräftige Bassanhebung, während diese im Outdoor-Modus herausgenommen wird. Auch bewirkt ein Wechsel in den Outdoor-Modus eine höhere Maximallautstärke.

In welchem Modus sich der Lautsprecher gerade befindet, signalisieren zwei blaue LEDs auf der Oberseite.
Während die Helligkeit in normal beleuchteten Räumen angenehm und hoch genug ist, ist es im Freien leider recht schwierig, die LEDs zu erkennen, was aber letztlich nicht weiter schlimm ist, da man klanglich recht einfach merkt, ob sich der SoundCup-L im Indoor- oder Outdoor-Modus befindet.





Die Oberseite des Lautsprechers hat aber noch mehr zu bieten, wie etwa einen kleinen und zentral gelegenen LED-Ring, welcher eine erfolgreiche Bluetooth-Verbindung signalisiert und auch beim Aufladen des Akkus als Lade-LED fungiert.



Zusätzlich ist die Oberseite noch berührungsempfindlich und durch ein einfaches Wischen von rechts nach links oder umgekehrt kann man den aktuell wiedergegebenen Titel überspringen oder zum vorherigen Musikstück zurückkehren, was durch ein kurzes Aufleuchten der jeweiligen Schaltfläche bestätigt wird.



Zwischen den beiden Schutzgittern und der berührungsempfindlichen Oberseite befindet sich ein Rad zum Regeln der Lautstärke. Wie bereits erwähnt, fühlt sich dieses leider nicht sonderlich hochwertig an.

Schließlich gibt es auf der Rückseite des Lautsprechers noch eine Klappe, hinter der sich eine Micro USB-Buchse zum Aufladen des Akkus sowie eine 3,5 mm AUX-Klinkenbuchse befinden.





Klang:

Eine synchrone Lautstärkeregelung des Lautsprechers mit dem Quellgerät funktioniert nicht (zumindest nicht unter Android (getestet mit meinem Asus/Google Nexus 7 Tablet (zweite Generation), das mir auch als hauptsächlich genutztes kabelloses Abspielgerät diente)). Somit muss die Lautstärke am Quellgerät und am SoundCup-L separat eingestellt werden.

Neben den beiden Breitbändern, die in Stereo-Konfiguration spielen, besitzt der Lautsprecher noch zwei Passivradiatoren (einen ovalen großen sowie einen runden kleinen). Diese dienen dazu, bei korrekter Berechnung der Größe und des Gehäusevolumens, den Tiefgang trotz des begrenzten Platzes zu erweitern, weshalb viele kompakte Lautsprecher trotz ihrer kompakten Abmessungen und kleinen Treiber letztlich angesichts ihres Volumens doch noch einen ordentlichen Tiefgang erreichen können.

Der Lautsprecher rauscht übrigens bei geringen und mittleren Lautstärken nicht  (, solange man ihn nicht 3 - 5 cm vom Ohr entfernt positioniert), was sich jedoch ändert, wenn man mit ihm im kabelgebundenen Modus laut hört oder den internen Verstärker bis kurz vor sein Maximum bringt. Dann können zusätzlich auch noch andere Artefakte auftreten.

Tonalität:

Der Sound im Indoor- und Outdoor-Modus unterscheidet sich dadurch, dass der SoundCup-L im Indoor-Modus einen kräftigen und voluminösen, warmen Bassbereich besitzt, welcher bei niedrigen Lautstärken hilfreich dabei sein kann, einen voluminöseren und je nach persönlicher Präferenz dadurch angenehmeren Klang zu erreichen.
Im Outdoor-Modus hingegen wird diese Betonung weggenommen und die Lautstärke des Mittel- und Hochtons ist etwas höher.

Der Unterschied der beiden Modi, was den Frequenzgang betrifft, spielt sich wie gesagt hauptsächlich im Bassbereich ab, der im Indoor-Modus zwischen 100 und 150 Hz eine kräftige Betonung von um die 12 dB besitzt, sich aber tatsächlich hauptsächlich auf den Oberbass und unteren Grundton beschränkt, wodurch im Gegensatz zum BT28S der Grundton nicht so sehr zum Dröhnen neigt und dem Klang lediglich etwas Wärme im unteren Grundton und Kick im Bass hinzugefügt wird. Man kann also durchaus und berechtigterweise sagen, dass die Anhebung beim SoundCup-L gut implementiert wurde.
Unterhalb von ca. 95 Hz rollt der Bass dann ab, besitzt aber noch bis etwa 70 Hz einen angemessenen Pegel.
Schaltet man in den Outdoor-Modus, wird die Bassanhebung herausgenommen und es gibt nur noch eine sehr geringe addierte Wärme im unteren Grundton, die übrig bleibt. Der Tiefgang verschlechtert sich im Outdoor-Modus jedoch auch und nur noch bis etwa 90 Hz ist ausreichend Energie vorhanden.

Der Mittel- und Hochton ist in beiden Modi tonal identisch, was heißen soll, dass der Lautsprecher hier eine milde Badewannenabstimmung besitzt, bei der die zentralen Mitten um 1 kHz ein wenig im Hintergrund stehen und der Bassbereich/Grundton sowie Bereich zwischen 2 und 12 kHz eine äußerst moderate (bzw. im Indoor-Modus im Bass sehr kräftige) Anhebung besitzt.

Plötzliche Senken oder Peaks kann ich beim Abspielen von Sinus-Sweeps nicht heraushören, was gut ist. Hingegen ist der Frequenzgang angenehm gleichmäßig und wirkt zusammenhängend.




Durch die moderat badewannige Abstimmung klingen Stimmen klar und besitzen gleichzeitig ein wenig mehr Körper, wobei die Klarheit ein wenig überwiegt, ohne unangenehm zu erscheinen.
Den Hochton kann man ruhig als „brillant“ beschreiben, ohne dass er unangenehm, scharf oder spitz klingt, wenngleich er bei kritischer Betrachtung nicht zu 100% die Natürlichkeit des Xiaomi Mi Bluetooth Speakers erreicht.
Im Outdoor-Modus wäre eine geringe Absenkung der milden, breitbandigen Hochtonbetonung womöglich nicht verkehrt, denn hier kann der Tiefton im Vergleich zu den Höhen manchmal eine Spur dünn wirken.

Auflösung:

Auch wenn ich bei der Abstimmung des Lautsprechers größtenteils Positives berichten kann, gibt es ein paar Klang-technische Aspekte, die nicht so schön sind.

Recht nervig ist ein unvorteilhaft eingestellter Kompressor im Tiefton, der bei geringen und moderaten Abhör-Pegeln dafür sorgt, dass der Bassbereich pumpt und sich die Lautstärke der tiefen Töne ständig ändert. Dies sollte definitiv nicht sein und ist aus meiner Sicht ein klarer Mangel.
Ob sich der Lautsprecher dabei im kabelgebundenen oder kabellosen Betrieb befindet, ist irrelevant.
Bei höheren Lautstärken hingegen tritt dieses Phänomen glücklicherweise nicht mehr auf, sollte aber bereits generell eigentlich nicht vorhanden sein. Schade, denn dadurch verspielt der SoundCup-L einige Punkte.

Davon abgesehen ist die Detailauflösung des Lautsprechers für den Preis ordentlich/vollkommen in Ordnung und der SoundCup-L überzeugt auf diesem Gebiet deutlich mehr als der BT28S.
So besitzt der Bassbereich eine gute Kontrolle und auch die Sprachverständlichkeit ist gut. In Sachen Hochtonseparation gibt es auch nichts wirklich zu kritisieren und der Klang wirkt homogen.




Räumliche Darstellung:

Die meisten kleinen Bluetooth-Lautsprecher besitzen, auch wenn ihre Chassis in Stereo-Konfiguration verschaltet sind, einen bestenfalls nur äußerst mäßigen räumlichen Eindruck.

Der SoundCup-L stellt hier keine Ausnahme dar und klingt räumlich relativ eindimensional, mit einem nur äußerst geringen Rechts-Links-Effekt, der durch die versetzte Anbringung der Breitbänder auch eher diffus und wörtlich zu nehmend „schief“ wirkt, wenn man den Lautsprecher bei recht geringem Abstand verwendet. Ich denke, dass eine symmetrische Positionierung der beiden Breitbänder definitiv die bessere Wahl gewesen wäre, auch wenn man dann womöglich nicht die gleiche Gehäusebreite verwenden könnte.

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Im Vergleich mit dem
Xiaomi Mi Bluetooth Speaker:

Was die Größe betrifft, ähneln sich beide Lautsprecher, nur ist der SoundCup-L etwa dreimal so dick wie der Xiaomi.

Was das Design betrifft, gefällt mir persönlich der EasyAcc etwas besser, jedoch ist der Mi, was die Verarbeitung, Materialauswahl und Haptik angeht, dem zylindrischen Bluetooth-Lautsprecher letztlich überlegen.

Was die Ausstattung betrifft, sind beide vergleichbar, nur besitzt die für den asiatischen Markt vorgesehene Version des Mi noch einen praktischen Micro SD-Steckplatz, über den sich ohne externe Geräte direkt am Lautsprecher Musik von einer Micro SD-Karte abspielen lässt, sowie eine (chinesische) Ansage des Akkustandes.

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Der Mi besitzt einen Lautstärke-abhängigen DSP, der im unteren Regelbereich den Bass und unteren Grundton sowie Teile des mittleren Grundtons verstärkt. Erhöht man die Lautstärke, nimmt die Tieftonanhebung schrittweise ab, bis der Lautsprecher irgendwann sehr neutral klingt. Deaktivieren lässt sich die DSP-Anhebung hingegen nicht.

Der EasyAcc ist mit zwei Sound-Modi ausgestattet, von denen der eine eine kräftige Bassanhebung mit sich bringt, wohingegen diese im zweiten deaktiviert wird.
Tonal spielt der SoundCup-L etwas badewannig und besitzt moderat zurückgenommene zentrale Mitten, während der Mi in diesem Bereich recht flach spielt.
Der Hochton des EasyAcc Lautsprechers ist etwas präsenter, da er gleichmäßig betont ist, weswegen er im ersten Moment brillanter wirkt, doch klingt der Mi in den Höhen etwas natürlicher.

Einen bei niedriger Lautstärke schlecht eingestellten Kompressor im Bassbereich wie der SoundCup-L besitzt der Mi Bluetooth Speaker zum Glück nicht.
Im Bass wirkt der EasyAcc Lautsprecher weniger detailliert und stumpfer als der Mi.
Die Mitteltonauflösung und Sprachverständlichkeit ist beim Mi ebenfalls etwas höher.
Trotz der Brillanz im Hochton des SoundCup-L wirkt der Lautsprecher von Xiaomi hier besser separiert und ein wenig detaillierter.

Die räumliche Präsentation des Mi, auch wenn man sie auch bei diesem nicht wirklich als solche bezeichnen kann, ist etwas gelungener, da bei ihm ein geringer Rechts-Links-Effekt erkennbar ist.


Fazit:

Der EasyAcc SoundCup-L stellt definitiv ein Upgrade zum klanglich recht wenig überzeugenden BT28S dar – dennoch besitzt er einige Schwachstellen, die es verhindern, dass ich insgesamt eine Empfehlung für ihn aussprechen kann, denn die Liste an Unzulänglichkeiten ist aus meiner Sicht länger als die der positiven Eigenschaften.




Tonal ist der Lautsprecher gut abgestimmt und besitzt eine kräftige, jedoch gut implementierte Bassbetonung im Indoor-Modus. Im Outdoor-Modus hingegen klingt der Lautsprecher ausgewogener und natürlicher, wenngleich hier eine Spur weniger Hochton oder geringfügig mehr Wärme nicht unbedingt verkehrt wäre.
Deutliche Abzüge hingegen gibt es aufgrund des schlecht eingestellten Tiefton-Kompressors, der bei niedrigen Lautstärken zu sehr unschönen und nervigen Nebeneffekten führt. Auch die relativ unvorteilhafte Anordnung der beiden Breitbänder, das recht laute Jingle beim Ein- und Ausschalten sowie das haptisch leider nicht überzeugende und sich unpräzise anfühlende Lautstärke-Rad tragen dazu bei.