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iBasso DX90: "My Love and my Touch" - [Review] 🇩🇪

Vorwort:

Als iBasso Audio vor ein paar Jahren den DX50 vorstellte, war ich begeistert und bestellte direkt ein Exemplar. Umso enttäuschter war ich, als der Player an einem Samstagmittag geliefert wurde und meinen Ansprüchen leider nicht genügte – die Lautstärkeregelung und Menüführung sowie der Formfaktor waren praktisch perfekt für meine Ansprüche, doch rauschte der kompakte Player sehr stark mit empfindlichen In-Ears und besaß in Verbindung mit jenen einen kleinen Tiefbassabfall. Für Bügelkopfhörer besaß ich schon andere Player/Stacks, weshalb der frisch eingetroffene DX50 bereits nach einer, maximal zwei Stunden direkt in den Kleinanzeigen landete.




Mein Interesse an iBassos Produkten war somit vorerst verflogen – bis ein sehr vertrauenswürdiger deutscher Foren-Freund mich auf den DX90 aufmerksam machte, der angeblich all diese Schwächen seines kleinen „Bruders“ nicht besitzen sollte. Nachdem ich mich doppelt versichert hatte, dass dies tatsächlich der Fall war, bestellte ich bei MP4Nation meinen DX90 (wie viel ich zahlte, weiß ich leider nicht mehr im Detail, da der Shop, der der GPGHK gehört, mittlerweile alle Links auf die firmeneigene Brainwavz-Website weiterleitet – an die 400€ inklusive Zollabgaben, vielleicht auch etwas weniger, werden es wohl gewesen sein).

Als der Player schließlich bei mir eintraf, war dies der Beginn einer Love Story.


Nun, nach ein paar Jahren in meinem Besitz, habe ich mich endlich dazu entschlossen, meinem geliebten iBasso DX90 eine eigenständige deutschsprachige Rezension zu spendieren.


Technische Daten:

UVP: 419$
DACs: 2x ES9018K2M
Bildschirm: 2,4“ IPS (320 x 240 Pixel), kapazitiver Touchscreen
8 GB interner Speicher, erweiterbar bis 2 TB durch Micro SD

Line Out:
Frequenzgang: 17 Hz – 20 kHz +/-0,1 dB
SNR: -119 dB +/-1 dB
THD+N: 0,0015%
Crosstalk: 115 dB (1 kHz)
Ausgangsspannung: 1.7 V (RMS) (1 kHz 0dB)

Kopfhörerausgang:
Frequenzgang: 17 Hz – 20 kHz +/-0,1 dB
THD+N: 0,0015% (an 32 Ohm Last)
Ausgangsspannung: 1,3 V (RMS) (Low Gain), 2,0 V (RMS) (Mid Gain), 2,8 V (RMS) (High Gain)
SNR: -118dB +/-1 dB (Low Gain), -116 dB +/-1 dB (Mid Gain), -115dB +/-1 dB (High Gain) (an 32 Ohm Last)
Crosstalk: 75 dB (1 kHz, 32 Ohm Last)
Ausgangsimpedanz: < 0,1 Ohm


Lieferumfang:

Mein Paket wurde leider einer zollamtlichen Beschau unterzogen, bei der die Banderole, mit welcher der Karton verschlossen wird, von dem/den zuständigen Beamten zerrissen wurde, statt diese einfach wie ein normaler Mensch herunterzuschieben; zudem befanden sich fettige Schlieren auf dem Gerät selbst.
Für mich stellte dies sehr wohl ein Problem dar, da ich die Verpackungen meiner In-Ears und Audio-Spieler in meinem sich in meinem Hi-Fi-Zimmer befindlichen In-Ear Regal präsentabel aufstelle. Dennoch wanderte die kleine braune Pappschachtel letztlich auch ohne die Banderole mit der DX90-Aufschrift in mein In-Ear-Regal.

Ja, ich sollte mal wieder Staub wischen...

Im Lieferumfang des DX90 befinden sich eine oder zwei Bildschirm-Schutzfolien, ein Micro USB-Lade- und Datenkabel, eine Schutzhülle aus Silikon, ein koaxiales Digitalkabel sowie ein Burn-In Kabel, dessen Zweck eher fragwürdig ist – wer es dennoch nutzen möchte, kann und sollte dies jedoch meinetwegen ruhig tun, auch wenn ein messtechnisch relevanter Effekt durch seinen Einsatz enorm unwahrscheinlich ist.


Optik, Haptik, Verarbeitungsqualität:

Der Player ist äußerst kompakt und dadurch sehr gut transportabel. Seine Vorder- und Rückseite besteht aus gebürstetem, schwarzem Aluminium, während das eigentliche Chassis aus robustem Kunststoff gefertigt ist.
Optisch unterscheidet sich der DX90 übrigens kaum vom technisch völlig unterschiedlichen (und schlechteren) DX50 – ein recht einfaches Unterscheidungsmerkmal jedoch stellen die 3,5 mm-Anschlüsse, die bei beiden Playern etwas unterschiedlich ausfallen, dar.

Auf der Vorderseite des Players befindet sich in der oberen Hälfte der kapazitive Touchscreen, über den der Player gesteuert wird, sowie darunter drei große und schnell erreichbare sowie gut ertastbare Tasten zur Wiedergabesteuerung.



Die linke Player-Seite beherbergt die Taste zum Ein- und Ausschalten des DX90, die, wie bei einem Smartphone üblich, auch den Bildschirm deaktiviert und wieder entsperrt.
Ein Schalter zum Aktivieren der Tastensperre befindet sich ebenfalls auf der linken Gehäuseseite.

Die rechte Seite des Players besitzt in der oberen Hälfte die beiden Tasten zur Lautstärkeregelung.

Auf der Oberseite des Players befindet sich zentral der
Micro SD-Schacht mit dem koaxialen Digitalausgang zu seiner Linken und dem USB-Anschluss zu seiner Rechten.

Auf der Unterseite befinden sich, von links nach rechts betrachtet, der Kopfhörerausgang, ein Line-Ausgang und schließlich ein dreistufiger Gain-Schalter.





Eine Besonderheit des DX90, die auch schon der DX50 besaß, stellt seine sehr einfach abnehmbare Rückseite dar, hinter welcher sich der einfach und schnell austauschbare Akku befindet, der von den Abmessungen und Spezifikationen identisch mit dem des Samsung Galaxy S3 ist.

Sehr lobenswert ist übrigens die Silikonhülle aus dem Lieferumfang, welche angenehm dick und stabil ist und gut fühlbare Tasten-Abdeckungen besitzt, welche nicht nur ertastbare Symbole besitzen, sondern auch noch am Rand dünner als im Zentrum sind und sich somit fast wie „echte“ Rubberdome-Tasten verhalten und dadurch den angenehmen Druckpunkt des Players ohne Hülle beibehalten.


Der Bildschirm:

Der IPS-Bildschirm misst 2,4 Zoll und löst mit 320 x 240 Pixeln auf.
Dies mag heutzutage sehr antiquiert erscheinen, doch sofern man seinen Blick nicht direkt von einem hochauflösenden Bildschirm auf den des iBasso wechselt (dann könnte nämlich ein kleiner Kulturschock erfolgen), genügt die Auflösung vollkommen, um nicht zu verpixelt zu erscheinen, wenngleich das Albumcover, das in der oberen linken Ecke eingeblendet wird, schon recht häufig in einem eher schlecht definierbaren Pixelbrei endet.

Die Größe des Touchscreens ist für die Gehäusegröße des DX90 ideal und wirkt definitiv nicht zu klein. Mit einem Finger ist der Bildschirm sehr bequem und gut erreichbar und der Player lässt sich sehr angenehm mit nur einer Hand bedienen.


Die digitale Lautstärkeregelung:

… ist einfach nur perfekt.

Der Player besitzt 256 Lautstärke-Stufen mit einer Skalierung von 0,5 dB, die linear über den gesamten Regelbereich besehen bleibt. Somit ist es egal, ob man sich im unteren oder oberen Regelbereich befindet – beim DX90 findet man immer seine exakt gewünschte Lautstärke und muss sich nie über einen fehlenden Zwischenschritt zwischen zwei Stufen ärgern.
Durch die vielen Stufen ist es auch möglich, mit extrem empfindlichen In-Ears so leise zu hören, wie man möchte, denn der DX90 ermöglicht auch Lautstärken unterhalb der Hörschwelle.





Was die Präzision der Lautstärkeregelung betrifft, stellt der DX90 für mich absolute Perfektion dar. Ich wünsche mir auch, mehr Hersteller würden bei ihren portablen Audio-Spielern eine 256-stufige Lautstärkeregelung mit einer linearen Schrittweite von 0,5 dB je Regelstufe über den gesamten Regelbereich implementieren, denn mit einigen Modellen kann ich mit sehr empfindlichen In-Ears manchmal nicht so leise hören wie ich möchte, oder die Lautstärke-Schritte im unteren Regelbereich sind mir persönlich etwas zu grob.


Bedienung, grafische Nutzeroberfläche:

Das User Interface ist, wenig überraschend, größtenteils mit dem des DX50 identisch.
Der Gewohnheit halber nutze ich auch meinen DX90 mit der englischen Menüführung, obwohl es auch eine deutsche Oberfläche gibt, die sich in den Einstellungen auswählen lässt.

Firmware-Version 2.5.1:

Das UI ist in drei wesentliche Bereiche aufgetrennt: die Bibliothek, den Wiedergabebildschirm und die Einstellungen.

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Auf dem Wiedergabebildschirm werden in der Statusleiste oben Informationen wie etwa die aktuell eingestellte Lautstärke und die Akkukapazität (in Balken) permanent eingeblendet.
Darunter befindet sich in der linken oberen Hälfte das Albumcover, welches jedoch recht verpixelt dargestellt wird. Daneben werden Auflösung, Bitrate, Titel, Interpret und Album des aktuell wiedergegebenen Musikstückes angezeigt, nebst zwei kleinen Symbolen zum Schnellzugriff für das Erstellen von Playlisten und Ändern des Wiedergabemodus (Repeat, Shuffle etc.).
Eine Fortschrittsanzeige befindet sich direkt darunter – diese kann auch verwendet werden, um mit dem Finger schnell zu einer bestimmten Position des wiedergegebenen Titels zu gelangen.
Direkt darunter befinden sich virtuelle Tasten zur Wiedergabesteuerung, die zusätzlich zu den physischen Tasten genutzt werden können.
Im unteren Bereich befinden sich zwei virtuelle Tasten zum Wechseln in die Bibliotheksansicht oder die Einstellungen.




Somit stellt der Wiedergabebildschirm alle wichtigen Informationen dar – na ja, zumindest fast, denn ein Titelzähler fehlt leider. Diesen hätte man im am unteren Bildschirmbereich zwischen den beiden virtuellen Tasten implementieren können, was ich iBasso auch mitteilte. Irgendwann werde man dies vielleicht umsetzen, antwortete man mir, doch hätte die Arbeit an der Firmware des
DX80 und DX200 Vorrang, was bei dem kleinen Team aber auch verständlich und nachvollziehbar ist.

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In der Bibliotheksansicht gibt es eine Sortierung nach „Now Playing“, „Directory“, „Playlist“, „All Music“, „Album“, „Artist“ und „Genre“.




Die „Now Playing“ Ansicht zeigt in einer Liste alle sich in einem Ordner/einer Liste befindenden Dateien an – in der Reihenfolge, in der sie wiedergegeben werden.

„Directory“ ist der gewöhnliche und sehr gute Ordnerbrowser, der auch mit vielen Unterordnern keine Probleme hat. Eine Wiedergabe über ein per Micro USB angeschlossenes Speichermedium ist dabei übrigens auch möglich.

Der Rest der Bibliothek ist selbsterklärend, wobei der DX90, wie fast alle Audio-Player auf dem Markt, die Interpreten nach dem „Artist“ statt „Album Artist“ Tag sortiert, weswegen ich den Ordnerbrowser zur Navigation bei jedem Player, der diesen besitzt, nutze, was auch bei meinem DX90 der Fall ist.

Eine Ebene zurück kommt man übrigens durch einen Klick auf den kleinen Pfeil in der linken oberen Ecke, während das Haus-Symbol in der rechten oberen Ecke den Nutzer wieder zurück auf den Wiedergabebildschirm bringt.

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Die Einstellungen bieten die gewohnten Parameter wie etwa einen Schlaf-Timer oder Justierung der Zeit, die der Bildschirm eingeschaltet bleibt, und eine Einstellung seiner Helligkeit. Verschiedene Sprachen, zwischen denen man wählen kann, sind auch vorhanden.
Zusätzlich kann man noch die Links-Rechts-Balance einstellen, auf einen 10 Band-Equalizer zurückgreifen und zwischen zwei Digitalfilter-Einstellungen wählen.



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Bis auf den fehlenden Titel-Zähler auf dem Wiedergabebildschirm bietet der DX90 somit alles, was ich mir persönlich wünsche.


Performance:

In circa 10 Sekunden ist der DX90 hochgefahren und direkt einsatzbereit. Die Navigation in den Menüs erfolgt dabei sehr schnell und ohne zu stocken oder zu hängen. Auch beim Scrollen durch lange Listen und Ordner gibt es keine Anzeichen von Trägheit – in dieser Hinsicht ist der ältere DX90 dem
Cowon Plenue D weitaus überlegen.

Einzig das Einlesen einer neuen Speicherkarte in die Datenbank dauert ziemlich lange.


Akkulaufzeit:

Realistisch erreichbar sind um die sechs bis maximal sieben Stunden Akkulaufzeit (mit der Stoppuhr unter Laborbedingungen gemessen habe ich die Akkulaufzeit bei meinem DX90 noch nicht und habe es eigentlich auch nicht vor) – nicht gerade viel, aber der interne Dual-Mono Aufbau zusammen mit den leistungshungrigen DAC-Chips lässt viel mehr leider nicht zu.




Ein Wehrmutstropfen hingegen ist, dass der DX90, wie auch schon der DX50, einfach und schnell austauschbare Akkus besitzt, womit er wohl einer der letzten Player seiner Art ist.


Klang:

Der interne Aufbau des DX90 ist vollsymmetrisch (Dual-Mono), was bedeutet, dass für jeden der beiden Kanäle ein eigenständiger DAC- als auch Verstärker-Chip zum Einsatz kommt.
Dennoch endet dieser Aufbau in einem regulären, unsymmetrischen (TRS) 3,5 mm Klinkenausgang und einen zusätzlichen symmetrischen Ausgang gibt es auch nicht.
Wozu also dieser Aufwand? iBasso hat sich beim DX90, der sich somit nicht nur in der Wahl der DAC- und Verstärker-Chips, sondern auch in der Implementierung dieser deutlich vom mich wenig überzeugenden DX50 unterscheidet, entschieden, da dieser Aufbau im Vergleich zu einer klassischen Stereo-Implementierung mit nur einem DAC-Chip, der für beide Kanäle gleichzeitig zuständig ist, in der Theorie und in den Messwerten die technisch bessere Performance aufweisen kann.

Frequenzgang, Ausgangsimpedanz:

Jeder Audio-Spieler, DAC und Verstärker, egal, wie günstig oder teuer er ist, sollte heutzutage auch in der Lage sein, den Audio-relevanten Bereich zwischen 20 und 20000 Hz ohne angeschlossene Last komplett linear wiederzugeben. Leider gelingt dies (insbesondere im Bereich der günstigen „China-Player“) nicht allen und sie zeigen im schlimmsten Fall schon ohne angeschlossenen Kopfhörer unerwünschte Anomalien wie etwa einen starken Bass- oder Hochtonabfall, permanente Anhebungen oder gezielt gesetzte Senken (z.B.
Shozy Lancea und Hidizs AP60).

Ohne angeschlossene Last misst sich der Kopfhörerausgang des DX90 wie folgt:


Der Frequenzgang ist exakt so linear, wie er sein soll. Hier hat iBasso die Audio-Chips also korrekt und sehr sauber implementiert und keine Fehler begangen.

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Besitzt ein Audio-Gerät, an das man einen Kopfhörer anschließen kann, einen linearen Frequenzgang ohne Last und misst sich also so, wie man es erwarten würde, kann die ganze Angelegenheit völlig anders aussehen, sobald man einen Kopfhörer anschließt.
Manche Kopfhörer und In-Ears besitzen einen nicht gleichbleibenden Widerstand, was heißt, dass sie etwa im Bass oder Hochton beispielsweise eine Impedanz haben, die vom Wert im Mittelton abweicht. Insbesondere bei Multi-BA In-Ears mit mehreren unterschiedlichen Treibern und einer (mahl mehr und mal weniger) komplexeren Frequenzweiche ist dies die Regel.
Damit diese Kopfhörer und In-Ears neutral und unverfälscht „angetrieben“ werden können, ist es zwingend erforderlich, dass das Wiedergabegerät einen geringen Ausgangswiderstand besitzt, vorzugsweise unter 1 Ohm. Ist dies nicht der Fall, wird der Klang der In-Ears/Kopfhörer, abhängig von deren individuellem Impedanzgang, verfälscht.

Der xDuoo misst sich mit meinem Ultimate Ears Triple.Fi 10 In-Ear, einem recht zickigen und Quell-kritischen Vertreter seiner Sorte, wie folgt:


Wie man sehen kann, bleibt trotz des angeschlossenen zickigen In-Ears der ausgegebene Frequenzgang des iBasso vom Tiefbass bis in den oberen Superhochton nahezu unverändert, was sehr gut ist.
Aus dieser Messung unter komplexer Last kann man nun auch den Ausgangswiderstand des Players berechnen. Beim DX90 beträgt dieser nur etwa geringe 0,2 Ohm, was ein idealer und erstrebenswerter Wert ist. Somit eignet sich der iBasso DX90 für alle Kopfhörer und In-Ears gleichermaßen, denn auch kritische Multi-BA In-Ears mit variierendem Widerstand über deren Frequenzbereich treibt der asiatische Audio-Player dank seines sehr geringen Ausgangswiderstandes neutral und unverfälscht an.

Rauschen:

Ich bin jemand, der sich selbst als recht rauschempfindlich beschreiben würde. Sofern ein auch nur sehr geringes Grundrauschen des Gerätes, an das die In-Ears angeschlossen werden, vorhanden ist, kann ich es in Verbindung mit sehr empfindlichen In-Ears (beispielsweise mit meinem
Shure SE846, Pai Audio MR3 oder dem Ostry KC06A) gewöhnlicherweise auch hören.

Der DX90 gehört zu den wenigen portablen Audio-Spielern, die, wenn man einen extrem empfindlichen In-Ear anschließt, praktisch komplett rauschfrei bleiben. Bei den portablen Standalone-Audio-Spielern mit einem sehr niedrigen Ausgangswiderstand gehört der iBasso DX90 sogar zu einer Reihe von an einer Hand abzählbaren Audio-Spielern ohne hörbares Grundrauschen selbst mit extrem empfindlichen In-Ears.

Wobei, so ganz stimmt dies nicht – ziehe ich den
Ostry KC06A heran, der noch etwas empfindlicher als mein ohnehin schon extrem Rausch-empfindlicher Shure SE846 ist, kann ich in einer sehr ruhigen Hörumgebung bei einer leeren Audio-Datei oder bei angehaltener Wiedergabe nur ein extrem geringes, kaum wahrnehmbares Grundrauschen erkennen, das gerade oberhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle liegt.
Starte ich dann die eigentliche Musikwiedergabe, ist selbst bei enorm niedrigen Abhörpegeln in leisen Passagen kein Grundrauschen mehr vorhanden.

In dieser Hinsicht stellt der DX90 also praktisch den perfekten Audio-Spieler dar, der zum „Rausch-Monster“ DX50 glücklicherweise keine Parallelen aufweist. Lediglich der
Cowon Plenue 2 als alleinstehender Audio-Spieler mit einem niedrigen Ausgangswiderstand hat es bisher geschafft, meinen iBasso DX90 in Sachen Rauschperformance mit extrem empfindlichen In-Ears nochmals etwas zu überbieten und dadurch die Messlatte um ein paar Millimeter höhergelegt – dafür kann man mit dem Cowon jedoch leider nicht ansatzweise so leise hören wie mit dem iBasso.

Das Verändern des Gains wirkt sich übrigens nicht hörbar auf das Grundrauschen aus.

Subjektive Wahrnehmung von Transparenz, Präzision und Bühnenwiedergabe:

Nun zum klar subjektiveren Teil meines Reviews. Meine Ansicht und Erfahrung bezüglich des „Verstärker- und Geräteklanges“ stellt sich wie folgt dar: Verstärker- und Geräteklang kann es in einem begrenztem Umfang geben und er kann hörbar sein, jedoch sollte er definitiv nicht überbewertet werden – die grundlegende Charakteristik eines Kopfhörers wird durch ein (sauber konstruiertes) Gerät nicht verändert, jedoch „formt“ das Wiedergabegerät den Klang des Kopfhörers manchmal minimal, was sich aber (wenn überhaupt, dann) eher in Nuancen ausdrückt und sich oft auch anhand der Eigenschaften oder Messwerte erklären lässt (einen etwas ausführlicheren Bericht über den Eigenklang von Audiogeräten gibt es unter 
folgendem Link).
Bei korrekt angeglichener Lautstärke sind die Unterschiede zwischen sauber konstruierten Geräten nur sehr gering. Bei meinen folgenden Eindrücken handelt es sich also keineswegs um beschriebene „Welten“ oder „Tag-und-Nacht-Unterschiede“, wie sie von manchen Nutzern gern propagiert werden, sondern um Nuancen.



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Nun also weiter mit meinen subjektiven Eindrücken über den 3,5 mm Klinkenausgang (alle Quervergleiche fanden unter messtechnisch angeglichenem Pegel mit einer Abweichung von weniger als 1 dB statt):

Aufgrund der Messwerte wenig überraschend, klingt der DX90 auch subjektiv neutral, jedoch mit einem geringen Touch Helligkeit/“Aggressivität“ im Hochton in Verbindung mit hochauflösenden In-Ears im Vergleich zu Geräten, die einen etwas „sanften“ Einschlag besitzen (z.B.
Mojo, DX80, UD125) oder subjektiv neutral spielen (iPhone 4, DX200 @AMP1 @3,5 mm Kopfhörerausgang). Übrigens klingt der DX90 somit für mich exakt wie der HiFime 9018d (abgesehen vom Grundrauschen, das beim 9018d in Verbindung mit sehr empfindlichen In-Ears stark ausgeprägt ist).
Dabei handelt es sich aber wie bereits genannt eher um Nuancen. Den oft beschriebenen „SABRE-Glare“, womit eine subjektiv tendenziell „frische“ und „schärfere“ Spielweise der DAC-Chips von ESS würde ich dem Player, beziehungsweise seinen DACs, jedoch nicht unbedingt unterstellen, denn schließe ich den DX90 via Line Out an meinen Leckerton UHA-6S.MKII Kopfhörerverstärker, ist der wahrgenommene Klang über den Line Out des DX90 identisch zu dem, was ich über den Line Out meines FiiO X3 und zig anderen DACs höre (Ausnahmen bilden mein
Chord Mojo sowie der iBasso DX80, die auch über den Line Out einen Teil ihrer etwas sanfteren Spielweise beibehalten). Also liegt es wahrscheinlich eher an der Implementierung der Verstärker-Sektion.
„Getrickst“ mit Betonungen oder sonstigen Nichtlinearitäten wird jedoch beim DX90, anders als beim
Shozy Lancea, nicht, was die Messungen auch bestätigen, und ohnehin handelt es sich wie bereits zweifach beschrieben dabei nur um Nuancen, die ich bei messtechnisch angeglichenem Pegel mit meinen empfindlichen In-Ears, jedoch mit keinem meiner Bügelkopfhörer wahrnehmen kann.

In Verbindung mit empfindlichen und hochauflösenden In-Ears wie etwa den
Ultimate Ears Reference Monitors oder dem Shure SE846 ist der DX90, nicht zuletzt auch aufgrund seines sehr guten Signal-Rauschabstandes, ein höchst transparenter und „durchhörbar“ erscheinender Player, dessen wahrgenommene Transparenz etwas oberhalb der des FiiO X3 (erste Generation), iPhone 4, HiFiMan MegaMini oder Cowon Plenue D liegt, sich auf Augenhöhe mit dem iBasso DX80, der jedoch mit empfindlichen In-Ears stark rauscht, befindet, und sich etwas unterhalb der Transparenz des iBasso DX200, Chord Electronics Mojo oder Cowon Plenue 2 einordnet.
Aber auch hierbei handelt es sich nur um Nuancen, die abseits des kritischen Hörens eine wesentlich geringere Gewichtung besitzen und mit Bügelkopfhörern ebenfalls bei korrekt angeglichenem Pegel wieder meist nicht wahrnehmbar sind.

Nutzt man In-Ears am iBasso DX90, könnte einem auffallen, dass seine imaginäre Bühnendarstellung breiter als durchschnittlich, mit einer durchschnittlichen Tiefenreproduktion ist. Damit liegt der DX90 gleichauf mit dem
HiFime 9018d, der auch in dieser Disziplin dem iBasso klanglich gleicht, und stellt einen breiteren und größeren Raum als etwa der Chord Mojo, FiiO X3 Mk. I oder ein iPhone 4 auf, während der Cowon Plenue 2 räumlich sowohl die Breite als auch Tiefe betreffend mit In-Ears noch etwas offener erscheint.

Digitalausgang, USB-DAC:

Der DX90 besitzt eine USB-DAC Funktion, die unter
Mac OS und Linux ohne weitere Treiber nutzbar ist. Als Windows-Nutzer hingegen muss man zuerst die erforderlichen Treiber manuell herunterladen und installieren – da ich die USB-DAC Funktion persönlich nicht benötige, habe ich diese Funktion bis jetzt noch nicht genutzt.

Ansonsten lässt sich der iBasso noch mittels seines koaxialen Digitalausganges mit einem externen DAC verbinden, was auch einwandfrei und ohne irgendwelche Störungen oder Probleme funktioniert, wie ich in Verbindung mit meinem
Chord Mojo oder Leckerton UHA-6S.MKII testweise feststellen konnte.

Gapless Playback:

Es bedurfte mehrerer Firmware-Updates, bis die unterbrechungsfreie Wiedergabe bei FLAC-Dateien endlich funktionierte, aber mittlerweile tut sie dies in Perfektion.


Fazit:

Beinahe-Perfektion im Bereich der portablen Standalone-Audio-Player besitzt einen Namen: iBasso DX90.

Sehr geringe Ausgangsimpedanz? Check.
Sehr gute Messwerte? Check.
Auch mit extrem empfindlichen In-Ears praktisch kein Grundrauschen? Check.
Sehr präzise und feinstufige Lautstärkeregelung? Check.
Möglichkeit von enorm geringen Lautstärke-Einstellungen? Check.
Sauberer und transparenter Klang? Check.



Abstriche muss man hingegen bei der Bildschirmauflösung machen und auch die Akkulaufzeit ist recht kurz. Außerdem ist ein Titel-Zähler auf dem Wiedergabebildschirm bis jetzt noch nicht implementiert worden.

Bei diesen drei Dingen handelt es sich jedoch um Kleinigkeiten – abgesehen von einer Verbesserung/Behebung dieser Punkte wären es lediglich zwei
Micro SD-Schächte bei ansonsten der exakt gleichen Ausstattung und identischen klanglichen Eigenschaften, die den DX90 zum absolut perfekten Audio-Spieler machen würden, der er jetzt schon beinahe ist.