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Logitech/Ultimate Ears UE900/UE900(S): Vier Treiber, drei Wege, zwei In-Ears, ein Review - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Ultimate Ears, einst im letzten Jahrtausend von Jerry Harvey, Pionier und Wegbereiter des In-Ear Monitorings, gegründet, gehört nunmehr bereits seit einigen Jahren dem Elektronik-Giganten Logitech, und Jerry Harvey besitzt seine eigene, neue Firma, JH Audio.

Neben den hauptsächlich für Bühnenmusiker gedachten, maßgefertigten In-Ears, hat Ultimate Ears im Laufe der Jahre auch einige erfolgreiche universelle In-Ears auf den Markt gebracht, so wie etwa den beliebten Triple.Fi 10, den man im Ausverkauf neu teils für lächerlich wenig Geld erstehen konnte – so habe ich mein Exemplar für weniger als 150€ erstanden.
Auf den Triple.Fi 10 folgte der UE900, den ich ebenfalls besitze – dieser war bei seltenen Aktionen und im Ausverkauf auch gelegentlich günstig zu bekommen. Während der In-Ear in Europa scheinbar nicht mehr angeboten wird, wird er für den amerikanischen Markt hingegen anscheinend noch immer produziert.
Da manche Besitzer, die weniger sorgsam mit ihrem UE900 umgingen, teils über gebrochene Gehäuse berichteten, folgte mit dem UE900S eine Revision mit Kunststoff-Gehäusen, die aus weniger Teilen bestanden und anders verklebt waren. Laut Logitech/Ultimate Ears soll sich am Klang jedoch nichts verändert haben.





Im Gegensatz zu meinem Triple.Fi 10 konnte ich meinen UE900 nicht ganz so günstig ergattern (ich zahlte bei Amazon für einen neuen Hörer vor ein paar Jahren exakt 341,23€), bereue dies jedoch nicht, da der Hörer mir den Preis definitiv wert war und es auch noch immer ist, wenngleich er nicht in allen Bereichen zu 100% fehlerfrei bleibt.
Dass mir der In-Ear den vollen Preis wert war, bestätigte sich dann auch einige Zeit später (wahrscheinlich im Jahr 2014), als ich direkt bei Logitech für exakt 399€ einen UE900(S) orderte, dessen Einsatz ich als einen meiner beim Sport verwendeten In-Ears sah.


Hier folgt nun also mein deutschsprachiges Review zum UE900 und UE900(S), in dem ich die Hörer auch ausführlich gegen vier weitere Multi-BA In-Ears aus Deutschland und Amerika vergleiche.


Technische Daten:

Treiber je Seite: 4, Balanced Armature
Akustische Wege: 3 (2x Bass, 1x Mittelton, 1x Hochton)
Empfindlichkeit: 105 dB
Impedanz: 30 Ohm
Tonumfang: 20 – 20000 Hz


Lieferumfang:

Hier mal eine schnelle Gegenüberstellung des Lieferumfangs des UE900 mit dem des UE900(S):



Wie man sieht, fällt beim UE900(S) nicht nur das Design des Kartons anders (und meiner Meinung nach optisch ansprechender) aus, sondern auch der Lieferumfang, welcher bei der überarbeiteten Variante merklich üppiger ist.

Beiden In-Ears ist jedoch gemein, dass die Aufbewahrungs-Etuis, mit dem sie geliefert werden, eigentlich ziemlich nutzlos sind. Jene sind nämlich eher suboptimal designt und bieten nicht nur lediglich wenig Platz für die In-Ears mitsamt dem Kabel, sondern lassen auch etwas Staub und Schmutz hinein. Deshalb nutze ich für meinen UE900 diese etwas modifizierte (-> innen gepolsterte) Otterbox, während bei meinem UE900S ein Thomann Mix Case zum Einsatz kommt,  welches ich mattschwarz lackiert habe.


Optik, Haptik, Verarbeitung:

Wer genau hinsieht, wird feststellen, dass mein vermeintlicher UE900S sich – abgesehen vom Kabel, denn bei meinem für den Sport bestimmten UE900(S) nutze ich das Kabel mit integrierter Fernbedienung – nicht von meinem UE900 unterscheidet (, weshalb ich das „S“ auch bei meinem In-Ear in Klammern setze). Dies liegt schlichtweg daran, dass es sich bei ihm, auch wenn ich Neuware bestellt hatte, um den gleichen In-Ear handelt, der einfach mit dem Lieferumfang des UE900 ausgestattet ist. Der Grund dafür ist, dass Logitech/Ultimate Ears scheinbar etliche Restbestände des UE900 in der Fabrik hatte, die Verpackung jedoch schon auf die Modellpflege angepasst war. Somit kann man, wenn man den UE900S kauft, nie wirklich sicher sein, ob man nicht vielleicht doch den UE900 erhält.

Tragisch ist dies für mich persönlich jedoch nicht, da ich sowieso mit jedem meiner In-Ears, egal wie teuer oder günstig er auch gewesen sein mag, äußerst behutsam und pfleglich umgehe und daher bis jetzt über keine Ausfallerscheinungen berichten kann. Dennoch hätte ich es definitiv auch nicht schlecht gefunden, den tatsächlichen UE900S zu erhalten, denn trotz der offiziellen Aussage Logitechs in einem japanischen und englischen Forum, beide Hörer klängen identisch, wollte ich mich selbst davon überzeugen.
Somit besitze ich nun also einen Logitech/Ultimate Ears UE900 und einen UE900-Quasi-S (UE900 mit der Verpackung und dem Zubehör des UE900S).

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Die In-Ears sind aus Kunststoff gefertigt, wirken jedoch stabil genug, als dass sie lange halten sollten, sofern man pfleglich genug mit ihnen umgeht und sie bei Nichtgebrauch sicher in einem festen Etui oder Köfferchen verstaut und nicht einfach lose in die Hosentasche stopft, was sowieso für alle In-Ears ein No-Go darstellt.
Während die Gehäuse der In-Ears transparent dunkelblau sind und einen Blick auf die vier Balanced Armature Treiber sowie Frequenzweiche freigeben, sind die Faceplates mit Plastik-Umrandung in Chrom-Optik schwarz hochglänzend und nicht durchsichtig.


Die beiden Kabel besitzen verdrillte Einzellitzen, sind sehr flexibel und entsprechen somit dem Profi-Standard. Die Fernbedienung des zweiten Kabels ist dabei in Logitech-Manier gut erreichbar und besitzt drei sauber voneinander differenzierbare Tasten mit einem angenehmen und nicht zu festen, jedoch auch nicht zu schwammigen Druckpunkt.
Beim Kabel des UE900(S) befindet sich auf der rechten Seite zusätzlich noch ein kleiner roter Gummi-Ring als Seiten-Indikator (rot = rechts).


Auch wenn beim UE900S die Auswahl an unterschiedlichen Silikon- und Schaumstoff-Aufsätzen größer ausfällt und diese nicht nur je nach Größe einen farblich anders codierten Stamm besitzen, sondern auch generell geringfügig anders in der Konsistenz sind, kann ich aus eigener Erfahrung und anhand eigener Messungen bestätigen, dass die neuen Aufsätze des UE900(S) in den klanglichen Eigenschaften identisch mit denen des älteren UE900 sind.


Tragekomfort, Isolation:

Die In-Ears sind weder sonderlich klein noch sonderlich groß, jedoch angenehm geformt und sollten somit in der überwiegenden Mehrzahl der Nutzer-Ohren gut sitzen – in meinen großen Ohrmuscheln zumindest tun sie dies.

Wie bei den meisten Modellen im höherpreisigen und professionellen Sektor üblich, erfolgt auch beim UE900/UE900S die Kabelführung über den Ohren, was neben verminderten Kabelgeräuschen auch andere Vorteile wie etwa einen besseren Sitz mit sich bringt.
Kabelgeräusche sind dank des guten Kabels nur minimal vorhanden und lassen sich bei Verwendung des Kinnschiebers sogar gänzlich eliminieren.


Wie für geschlossene Multi-BA In-Ears üblich, fällt die Geräuschisolation beim UE900/UE900(S) hoch aus, erreicht jedoch nicht ganz das Niveau der Modelle von Shure oder Westone.


Klang:

Zum ernsthaften Betrieb meines UE900 und UE900(S) nutzte ich immer nur Quellgeräte mit einem geringen Ausgangswiderdstand.

Bei beiden In-Ears nutzte und nutze ich stets die größten Silikonaufsätze aus dem Lieferumfang.

Tonalität:

Wer einen Nachfolger des Triple.Fi 10 erhofft hatte, wird vom UE900/UE900(S) womöglich ein wenig enttäuscht sein, denn der In-Ear stellt keineswegs eine Neuauflage des badewannig abgestimmten Spaßhörers dar, auch wenn es die Farbgebung vermuten ließe, sondern ist tonal definitiv näher an den Ultimate Ears Reference Monitors; schlägt also eine tendenziell neutrale Richtung ein.

Diffusfeld-neutral im Bass wie ein Etymotic ER-4S wird der UE900 dabei jedoch nicht und besitzt im Vergleich zu diesem ca. 5 bis 6 dB mehr an Quantität in den Tiefen, die man als Annäherung an den „Fall der fehlenden 6 dB“ ansehen könnte. Bis in den Tiefbasskeller wird der Pegel übrigens ohne Abrollen gehalten.
Subjektiv jedoch klingt der UE900 etwas weniger betont im Tiefton und man nimmt seinen Bass etwa als geringfügig weniger prominent als beispielsweise beim InEar StageDiver SD-2 und merklich schwächer als beim Custom Art Ei.3 wahr, was hauptsächlich daran liegt, dass der Pegel vom Tiefbass bis beinahe in die zentralen Mitten bei 700 Hz konstant bleibt und eine gerade Linie bildet. Eine wahrgenommene Anhebung oder Abgrenzung zum Mittelton findet daher nicht in dem üblichen Maße statt und der UE900 wird im Tiefton als eher neutral empfunden.
Durch diesen recht spät stattfindenden Übergang vom Grundton in die zentralen Mitten kann man auch eigentlich nicht wirklich von einer reinen Bassbetonung sprechen, vielmehr wirkt es eher so, als ob im Vergleich zu den UERM die Mitten einfach weniger Präsenz besitzen, während der Bass subjektiv nur ca. 2 dB präsenter erscheint.
Ein reines Verlassen auf Frequenzgraphen ist bei der Betrachtung der Tonalität des UE900 also nicht ganz zielführend oder man müsste die Nulllinie bei 750 bis 800 Hz statt des gängigen 1 kHz Referenz-Punktes ansetzen, damit das gemessene Ergebnis auch weitestgehend der subjektiven Wahrnehmung entspricht – der UE900 stellt in dieser Angelegenheit durch seinen sehr späten Übergang vom Grundton in den Bereich der zentralen Mitten eben eine Ausnahme und einen Sonderfall dar.

Gen Präsenzbereich/obere Mitten fällt der Pegel gleichmäßig etwas ab, was dem UE900 in den Mitten einen eher dunklen Charakter verleiht. Die unteren Mitten hingegen, auch wenn sie ein wenig warm eingefärbt sind, vermitteln nicht die Wärme und das Volumen anderer Modelle, da der Übergang vom Grundton in den Mittelton eben sehr spät und eigentlich erst in den zentralen Mitten stattfindet. Diese „Aufgeblähtheit“ oder „Aufgedunsenheit“ und Fülle im Midbass und Grundton, wie sie In-Ears wie etwa der Westone W4R oder Sennheiser IE 80 besitzen, fehlt dem UE900 glücklicherweise.

Dem entspannten Bereich der unteren Höhen/des Präsenzbereiches folgend, ist auch der mittlere Hochton eher der etwas entspannteren Seite zuzuordnen, ohne jedoch „Entspanntheits-Extremen“ wie beim Shure SE846 oder Westone W4R anzunehmen.
Im oberen Hochton im Bereich zwischen 7 und 8 kHz kommt der Pegel wieder zurück – auch wenn dieser Peak hier nicht die Nulllinie überschreitet und auch bei Sinus-Sweeps recht unauffällig bleibt, sorgt er doch für ausgleichende Frische und Helligkeit. Als „scharf“ würde ich diesen Bereich definitiv nicht beschreiben, jedoch als „direkt“ und „crisp“ sowie subjektiv etwas hell.
Oberhalb von 10 kHz ist der Superhochtonumfang (sehr) gut und man kann, sofern die Aufnahme es hergibt, noch subtiles „Glitzern“ in ausreichendem Maße wahrnehmen.

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An die auf Messgraphen recht eigenwillig anmutende Abstimmung des Mitteltons gewöhnt sich das Gehirn übrigens sehr schnell und empfindet sie als natürlich, wenngleich eine moderate Unterpräsenz der Obertöne stets etwas vorhanden bleibt, so fehlt es insbesondere weiblichen Stimmen etwas an Glanz und Präsenz, während männliche Stimmen einfach nur nicht ganz so detailliert wirken, wie sie sollten.
Vom UE900 direkt auf viele andere In-Ears zu wechseln, stellt dementsprechend kaum ein Problem dar und das Gehirn kompensiert den etwas hintergründig spielenden Präsenzbereich schnell, doch sollte man es vermeiden, direkt auf im Präsenzbereich etwas akzentuierte In-Ears wie etwa den Etymotic ER-4S/ER-4SR zu wechseln, denn dies kann schnell zu einem unschön verzogenen Gesichtsausdruck führen.

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Abschließend kann ich nur wiederholen, dass ich den UE900/UE900(S) als „unangestrengt, tendenziell neutral bis ausgewogen, mit moderatem Wärme- und Dunkelheits-Einschlag im Mittelton“ charakterisieren würde.
Er klingt harmonisch und ausgeglichen und im Mittelton durch den gleichmäßigen Abfall im Präsenzbereich nie aufdringlich.
Dennoch würde ich ihn nicht direkt für hauptsächlich vokallastige Musik empfehlen, da Stimmen insgesamt doch nicht ganz seine Stärke sind. Bei (Instrumental-) Jazz wirkt er im Mittelton auch etwas stumpf.
Für mich persönlich kommt der UE900/UE900(S) hauptsächlich als ausgewogener/tendenziell neutraler In-Ear bei elektronischer Musik, Pop und Rock zum Einsatz, wo seine moderate Mitteltonschwäche nicht oder nicht wirklich negativ auffällt.

Auflösung:

Was die Auflösung betrifft, wird der UE900/UE900(S) seinem Preis (ausgehend von der UVP von 399€ und dem, was ich gezahlt habe) definitiv gerecht und präsentiert ein präzises, detailliertes und gut separiertes Gesamtbild.
Details vermisst man zu keiner Zeit und der UE wird den Ansprüchen an einen guten Quad-BA In-Ear gerecht.


Auch wenn der UE900 im Bassbereich rückseitig belüftete („back-vented“) Treiber einsetzt, ist sein Tiefton angenehm straff, kontrolliert, schnell und auch ziemlich trocken, jedoch im Vergleich zu manchen sehr gut implementierten geschlossenen BA-Woofern geringfügig weicher im Einschlag. Etwas trockener als beim InEar StageDiver SD-2 und insbesondere im Vergleich zu den meisten In-Ears mit dynamischem Treiber ist der Tiefton des Quad-Drivers jedoch allemal.

Im Vergleich zu den Tiefen und Höhen löst der UE900/UE900(S) im Mittelton etwas schlechter auf – auch wenn seine absolute Auflösung in diesem Bereich viele Dual-BA In-Ears übertrifft und eine gute Sprachverständlichkeit bietet, reproduziert der UE in den tieferen und höheren Frequenzbereichen einfach mehr Details. Die etwas unvorteilhafte Abstimmung im Mittelton trägt zu diesem Effekt auch noch bei.
Bei vokallastigerer Musik und Jazz fällt dies stärker auf und dieser Bereich wirkt etwas stumpf, wohingegen bei elektronischer Musik und Pop der Mittelton kaum bis gar nicht weniger gut aufgelöst erscheint.

Der Hochton des UE900 überzeugt durch eine (sehr) gute Notentrennung und bleibt auch bei komplexem Musikmaterial sauber, detailliert und gut getrennt. Hier fehlt zur Flaggschiff-Klasse der In-Ears im Bereich von 1000€+ wirklich kaum noch etwas und der UE kommt der Hochtonseparation der Ultimate Ears Reference Monitors sehr nah, verzichtet jedoch auf deren manchmal etwas scharfe Betonung im oberen Hochton.

Räumliche Darstellung:

Die Bühne des UE900 ist recht breit und insgesamt etwas breiter als tief. Die Basis meines Kopfes/meiner Ohren verlässt sie dabei auch etwas.

Instrumente und tonale Elemente werden sauber voneinander separiert und besitzen klar gekennzeichnete Grenzen. Die Fähigkeit räumlich authentischerer In-Ears wie etwa dem MR3, SD-2, UERM, SIRIUS oder SE846, räumliche „Leere“ glaubhaft zu projizieren, fehlt dem UE hingegen etwas. Für die Preisklasse ist die räumliche Präsentation dennoch noch immer gut und überzeugend.


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Im Vergleich mit anderen Multi-BA In-Ears:

Ultimate Ears Triple.Fi 10:
Der Klassiker Triple.Fi 10 präsentiert tonal eine klassische Badewannenabstimmung mit einem angehobenen Tief- sowie Midbass und oberem Hochton, der als metallisch-spritzig charakterisiert werden kann.
Der Triple.Fi 10 besitzt somit den präsenteren Bass und oberen Hochton. In Sachen Superhochtonumfang ist der UE900 dem Triple-Driver etwas überlegen und präsentiert das besser wahrnehmbare subtile Glitzern.
Im Mittelton wirkt der Triple.Fi 10 distanzierter und kühler, während der UE900 in den unteren Mitten voluminöser aufspielt.

Der UE900 besitzt das etwas höhere Auflösungsniveau – auch im Mittelton. Bassattacken sind beim Triple.Fi 10 etwas trockener, während in Sachen Geschwindigkeit und Kontrolle beide In-Ears absolut auf Augenhöhe spielen.

Die Bühne des UE900 ist in meinen Ohren noch ein wenig breiter, besitzt im Gegensatz zum räumlich recht platt spielenden Triple.Fi 10 etwas mehr räumliche Tiefe und die bessere Instrumentenseparation.

Westone W4R:
Der W4R besitzt den stärkeren Bass und einen Midbassbuckel, der auch den Grundton betrifft, wodurch er „runder“, bassiger und voluminöser im Tiefton klingt. Je nach Wahrnehmung kann dieser Bassbuckel auch etwas erdrückend wirken.
Die Mitten kommen beim Westone etwas präsenter rüber, während der W4R gleichzeitig durch seine 5 kHz-Senke noch entspannter („unangestrengter“) wirkt.
Im oberen Hochton ist der Westone zurückhaltender und weniger hell, bei vergleichbar gutem Superhochtonumfang.

Im Bassbereich und Mittelton löst der Westone noch etwas besser auf – gefühlt würde ich sagen, etwa um eine halbe Klasse. Dabei besitzen beide In-Ears einen gleichwertig kontrollierten und schnellen Bassbereich, während der Westone im Einschlag noch eine Spur trockener ist.
Im Hochton hingegen lösen beide In-Ears gleichwertig gut auf.

Die Bühne des Westone ist nochmal ein wenig breiter als die des UE900, besitzt dafür hingegen praktisch gar keine räumliche Tiefe. Hier gelingt es dem UE besser, einen plastischeren Eindruck zu vermitteln. In Sachen Instrumententrennung ist der W4R letztlich jedoch etwas im Vorteil.

Noble Audio SAVANNA:
Der UE900 besitzt geringfügig mehr Bass, der aber gen Tiefbass nicht abrollt. Der UE besitzt den geringfügig verzogenen, etwas verfälschten und angewärmten Mittelton und weniger Pegel im Präsenzbereich. Im Hochton erscheint der SAVANNA gleichmäßiger und besitzt im Gegensatz zum UE900 keinen Peak im oberen Hochton – hier erscheint der UE900 im Vergleich nämlich heller und „crisper“. Insgesamt besitzt der Noble also die etwas realistischere und neutralere tonale Abstimmung.

Was das allgemeine Detailniveau betrifft, besitzen beide In-Ears einen etwa gleich präzisen, detaillierten und kontrollierten Bassbereich. Im Mittel- und Hochton hingegen löst der SAVANNA noch ein wenig höher auf.

Der Bühne des UE ist etwas breiter, besitzt jedoch weniger räumliche Tiefe. Beide In-Ears trennen Instrumente ähnlich präzise, der UE hingegen ist in Sachen Staffelungspräzision dem Noble letztlich etwas unterlegen.

Fischer Amps FA-4E XB:
Der FA-4E XB ist der merklich bassigere In-Ear und besitzt auch den voluminöseren unteren Grundton. Stimmen wirken beim UE hingegen etwas dunkler. Im oberen Hochton klingt der Fischer Amps In-Ear noch etwas heller und energischer.

Was die Auflösung betrifft, sehe ich beide In-Ears insgesamt ziemlich auf Augenhöhe – der Fischer Amps FA-4E XB ist im Bass ein wenig weicher als der Logitech/Ultimate Ears UE900/UE900(S), der wiederum im Mittelton etwas weniger detailliert als der FA-4E XB klingt. Im Hochton hingegen herrscht Gleichstand.

Der UE besitzt die geringfügig breitere Bühne, während der FA-4E XB spürbar mehr räumliche Tiefe besitzt und dadurch räumlich ein wenig authentischer wirkt sowie die besseren Staffelungs-Eigenschaften besitzt. In Sachen Instrumententrennung ist der UE900/UE900(S) dem FA-4E XB jedoch überlegen.

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Über die Messungen: http://frequency-response.blogspot.com/p/about-measurement-graphs.html

(Man beachte, dass es sich bei der UERM-Messung um eine Messung von maßgefertigten In-Ears handelt, deren Schallröhrchen nicht die korrekte Tiefe im Messkuppler erreichen, weswegen die Betonung des oberen Hochtons auf dem Graph wesentlich stärker erscheint, als sie eigentlich ist.)


Fazit:

Der Logitech/Ultimate Ears UE900/UE900(S) ist ein technisch sehr überzeugender In-Ear, der tonal in die ausgewogene und tendenziell neutrale Richtung geht, dabei jedoch unangestrengt spielt und im Mittelton einen moderaten Einschlag in die wärmere und dunklere Richtung macht. Seine einzige Schwäche ist, dass er im Mittelton tonal nicht zu 100% realistisch und authentisch klingt und in diesem Bereich nicht ganz das sehr hohe Auflösungsniveau des Tief- und Hochtons erreicht.


Dennoch ist er ein technisch sehr starker Quad-BA In-Ear, der seine UVP von 399€ auch wert war und ist. Die Preise, die für ihn in diversen Abverkäufen aufgerufen wurden und werden, sind dabei für die Qualität des In-Ears geradezu lächerlich gering.