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Amazon Cyber Monday-Woche

Shure SE425: Silver Surfer - [Review] 🇩🇪

Einleitung:

Der amerikanische Hersteller Shure ist im Profi-Bereich definitiv kein unbekannter Name und stellt auch für den normalen Musik-Genießer keinen Unbekannten dar.

Neben Mikrofonen und Sende-Empfänger-Einheiten finden im professionellen Bereich auch die Kopfhörer und In-Ears von Shure häufig Verwendung, so kommt es etwa nicht selten vor, dass man bei einer Veranstaltung oder einem Fernseh-Auftritt neben Künstlern, die maßgefertigte In-Ear Systeme tragen, auch jene sieht, die einen SE846 oder SE315 nutzen.




In meinem persönlichen Besitz befinden sich aktuell der Shure SRH440, SE846 und SE425. Dem Quad-Driver SE846 habe ich bereits vor einiger Zeit eine Rezension gewidmet, dem ohrumschließenden SRH440 und Dual-Driver In-Ear SE425 hingegen noch nicht.

Somit dachte ich, es wäre endlich mal an der Zeit, dem Dual-BA In-Ear, den ich bereits seit einigen Jahren besitze und für 233,56€ bei Amazon gekauft habe, eine eigenständige Rezension zu  spendieren, was nun hiermit geschehen ist.


Erhältlich ist der Shure SE425 bei Amazon: http://amzn.to/2uMrrkz

… und auch bei Thomann: https://goo.gl/n6JkK4


Technische Daten:

Treiber je Seite: 2x Balanced Armature
Akustische Wege: 2
Empfindlichkeit: 107 dB SPL/mW
Impedanz: 22 Ohm
Tonumfang: 20 Hz – 19 kHz


Lieferumfang:

Der Lieferumfang fällt mit einem Reißverschluss-Etui, verschiedenen Silikon- und Schaumstoff-Aufsätzen, Reinigungswerkzeug und diversen Adaptern recht üppig aus – Abbildungen dazu finden sich im Internet en masse und ich werde hierfür nicht für ein einziges Foto extra den Karton meines SE425 aus meinem In-Ear-Regal holen.



Optik, Haptik, Verarbeitung:

Der SE425 ist in zwei Gehäuse-Varianten erhältlich: transparent und silberfarben. Ich habe mich ganz offensichtlich für die silberfarbene Version entschieden, was optische Gründe hatte. Die Endungen am Modellnamen, die man in manchen Shops sieht, weisen dabei übrigens tatsächlich lediglich auf die Gehäusefarbe hin, denn abgesehen von ihr gibt es keine unterschiedlichen Versionen des SE425.


Die Gehäuse sind sehr kompakt und besitzen auf der Außenseite ein vertieftes Shure-Logo, während man auf der Innenseite den Modellnamen wiederfindet.
Das für Modelle von Shure und Westone übliche, dünne Schallröhrchen beherbergt den akustischen Dämpfer, der beim SE425 recht tief sitzt.

Das abnehmbare Kabel, das auf koaxiale MMCX-Verbindungen setzt, ist angenehm lang und eher dick sowie schwer, dabei jedoch sehr flexibel und erscheint auch sehr robust. Beim Part unterhalb des Y-Splitters scheint es sich um verdrillte und vergossene Einzellitzen zu handeln.
Ein Kinn-Schieber ist ebenfalls vorhanden.


Tragekomfort, Isolation:

Die In-Ears sind, wie bereits genannt, ziemlich klein und dürften deshalb auch Menschen, deren Ohrmuscheln kleiner als durchschnittlich groß sind, angenehm passen. In meinen großen Ohrmuscheln ist dies sowieso mit Leichtigkeit der Fall und für meine Anatomie zählt die Gehäuse-Form mit dem Winkel des Schallröhrchens bei In-Ears von Shure definitiv zu den bequemsten.

Durch die Trageweise mit dem Kabel über den Ohren ist der Sitz enorm sicher und Kabelgeräusche werden eliminiert.

Die Isolation von Außengeräuschen ist beim SE425 sehr hoch, was bei den gänzlich geschlossenen Gehäusen aber auch keine Überraschung darstellt.


Klang:

Meinen SE425 verwendete und verwende ich stets mit Quellgeräten, die einen (sehr) niedrigen Ausgangswiderstand besitzen, wobei eine geringfügig höhere Ausgangsimpedanz des Quellgerätes, wie etwa bei einem Apple iPod Classic 7G, dem In-Ear auch nicht unbedingt schlecht steht und den Hochton ein wenig anhebt.

Anfangs verwendete ich die schwarzen Schaumstoff-Aufsätze aus dem Lieferumfang, ging jedoch irgendwann dazu über, die inkludierten, größten grauen Silikonaufsätze zu nutzen, was ich noch immer so pflege.


Tonalität:

Wer einen ziemlich neutral und linear spielenden In-Ear sucht, ist beim SE425 genau richtig – und ich tue mich wie damals bei meiner Rezension meines Etymotic ER-4S wieder schwer, die Tonalität des Shure detailliert in Worte zu fassen, da es bei einem neutralen Klang eben nicht so viel zu erzählen gibt, ohne gleich ins Schwafeln abzudriften oder aufzulisten, wie der In-Ear mit diesem und jenem Musikstück klingt, was ich mit Verlaub wirklich in einem Review verabscheue und höchst uninteressant sowie deplatziert finde, wenn dieser Part tatsächlich der Kern der klanglichen Beschreibung ist.

In Sachen Neutralität tendiert der Shure in die Richtung des Etymotic ER-4S/SR und präsentiert einen weitestgehend sterilen, flachen und verfärbungsfreien Klang mit einem unbetonten Bassbereich, jedoch ohne eine Betonung des Präsenzbereiches.
Im Vergleich zum Ety hingegen besitzt der Shure einen Hauch Wärme im Grundton/den unteren Mitten, die jedoch definitiv so gering ist, dass sie den Shure im Tiefton keineswegs auch nur ansatzweise angedickt klingen oder „kuschelig warm“ lässt.

Der SE425 kann auch echten Tiefbass mit ausreichend Pegel wiedergeben, besitzt jedoch einen sanften Abfall vom Grundton in ebendiesen, weshalb aus dem Frequenz-Keller folglich etwas weniger Druck kommt.

Der Mittelton des Shure ist bis auf die sanfte Anhebung im Grundton neutral und wirkt nur minimal warm und dunkel, wenn man ihn mit einem In-Ear wie den Ultimate Ears Reference Monitors vergleicht, da im Präsenzbereich geringfügig weniger Pegel vorhanden ist, als sich dort befinden könnte, um einen gänzlich flachen Mittenbereich zu besitzen.
Durch das milde Abrollen gen Tiefbass sowie den relativ früh abrollenden Hochton kann auch der Eindruck aufkommen, der Shure sei der tendenziell mittenbetonten Seite der neutralen In-Ears zuzuordnen.

Der Hochton des Shure bleibt im positiven Sinn in den unteren und mittleren Höhen unauffällig und besitzt hier keine Unebenheiten oder Peaks, sondern spielt Pegel-mäßig relativ neutral mit einer moderaten Senke in den mittleren Höhen im Vergleich mit dem Etymotic ER-4S/SR oder den UERM.
Schade, und somit die größte Schwäche des SE425, ist hingegen, dass der Dual-BA In-Ear in den oberen Höhen recht früh und recht steil abzurollen beginnt, weshalb es Becken an Körper sowie Ausklang und einigen Instrumenten hörbar an Obertönen fehlt. Durch dieses verhältnismäßig frühe Abrollen wirkt der obere Hochton dementsprechend beschnitten und es fehlt ihm an Präsenz, Glitzern und Ausklang, was recht schade ist, denn ansonsten ist der Shure ein sehr natürlich und authentisch klingender In-Ear.

Auflösung:

Das Auflösungsniveau des SE425 ist grundsolide für einen Multi-BA In-Ear in diesem Preisbereich und übertrifft das Niveau an Details der meisten preislich ähnlich gelegenen In-Ears mit dynamischem Treiber. Dennoch ist der Shure definitiv nicht der Klassenprimus unter den Multi-BA In-Ears in seiner Preisklasse – der Rose Technology Mini2 sowie Brainwavz B200 (letzterer ist hingegen klar weniger neutral abgestimmt) bieten trotz ihres geringeren Preises die etwas höhere Detailauflösung, während der Etymotic ER-4S, den man im Abverkauf neu auch schon für 200 bis 250€ bekommen konnte, ebenfalls die höhere Detailauflösung besitzt. Ein weiterer weitestgehend neutral/ausgewogen abgestimmter In-Ear, der den Shure bei einem geringeren Preis schlägt, ist der Pai Audio MR3, dessen Auflösungsniveau etwa gleichauf mit dem des teureren InEar StageDiver SD-2 ist.

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Der Bass des SE425 ist sehr schnell, trocken und fest. Weichheit oder Schwammigkeit sucht man bei ihm vergebens und einzelne Schläge sowie komplexere Bass-Lines werden sauber voneinander getrennt wiedergegeben. Hier kann der SE425, was die Trockenheit betrifft, auch manchen Multi-BA In-Ear mit rückseitig belüfteten BA-Treibern etwas übertreffen.

Der Mittelton lässt, was die Detailreproduktion betrifft, ebenfalls keinen Anlass zur Kritik, und überzeugt durch eine gute Sprachverständlichkeit.

Dem Hochton des Shure mangelt es eigentlich auch nicht an Details, die durch das frühe und steile Abrollen im oberen Hochton jedoch nicht so gut zur Geltung kommen.

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Insgesamt liefert der Shure eine für den Preis überzeugende und mehr als solide Leistung ab, muss sich jedoch manch anderem, günstigerem Multi-BA In-Ear, was die gesamte Detailauflösung betrifft, geschlagen geben, wobei man hierbei auch erwähnen muss, dass es sich bei jenen Modellen größtenteils um „Exoten“ handelt, die man aus dem Ausland bestellen muss.
Dennoch: bei der existierenden Konkurrenz ist ein Preis des SE425, der näher an 200€ als an 300€ liegt, ganz klar eher gerechtfertigt, denn für etwas über 300€ bekommt man bereits recht neutrale Multi-BA In-Ears, die den Shure in Sachen Detailauflösung um mehr als eine Klasse übertreffen und den wesentlich besseren Hochtonumfang bieten.

Wer einen weitestgehend neutralen bis tendenziell im Mittelton betonten In-Ear sucht, ist mit dem Shure unter 250€ trotzdem recht gut beraten, denn die meiste Konkurrenz ist nicht ganz so neutral abgestimmt wie der Amerikaner, wenngleich dessen Hochtonumfang recht mau ausfällt. Wer auf etwas Neutralität verzichten kann, findet bei der Konkurrenz jedoch noch immer sehr ausgewogen abgestimmte Modelle, die technisch noch mehr überzeugen.

Räumliche Darstellung:

Die Bühne des SE425 ist (sehr) klein und insbesondere schmal. In ihrer Ausprägung würde ich sogar sagen, dass sie mehr räumliche Tiefe als Breite besitzt. So weit wie manche Besitzer des Shure, die meinen, er besäße praktisch gar keine Bühne, würde ich jedoch definitiv nicht gehen und er besitzt eine stärker ausgeprägte Räumlichkeit als etwa mein Sennheiser Amperior.

In Sachen Instrumentenseparation schlägt sich der Shure gut, wenngleich es auch hier offener und räumlich besser separierte Modelle gibt.

Die Staffelungspräzision auf der Z-Achse hingegen ist wieder gut.

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Im Vergleich mit anderen In-Ears:

Ausführlichere Direktvergleiche finden mit dem Shure SE425 sich unter anderem in meinen Reviews des Brainwavz B200, Etymotic ER-4SR, Jays q-JAYS, Shure SE846, Etymotic ER-4S, Fidue A73 und Noble SAVANNA.

Kleinere und größere Quervergleiche sowie Erwähnungen finden sich hingegen in einigen weiteren Reviews.

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Über die Messungen: http://frequency-response.blogspot.com/p/about-measurement-graphs.html

(Bei den Messungen des Pai Audio MR3 und der UERM sollte man beachten, dass der obere Hochton-Peak unter Realbedingungen wesentlich weniger stark ausgeprägt ist und dadurch zustande kommt, dass beide In-Ears aufgrund ihrer Schallröhrchen nicht tief genug in den Messkuppler eingeführt werden konnten.)


Fazit:

Der Shure SE425 ist eine gute/solide Wahl für alle, die einen neutralen In-Ear mit einer tendenziellen Mittelton-Präferenz suchen. Was die Neutralität betrifft, kommen nämlich nur wenige In-Ears an den Amerikaner heran. Nichtsdestotrotz ist er freilich nicht frei von Einschränkungen und besitzt so etwa einen nur allenfalls mäßigen Hochtonumfang und eine recht kleine sowie schmale Bühne.


Für 200 bis 240€ erachte ich ihn als ein sehr solides wenngleich nicht perfektes Modell, wenn man sich einen neutralen In-Ear zulegen möchte.
Mehr als 250€, maximal 260€, wäre mir der Shure heutzutage jedoch definitiv nicht wert, da es für etwas über 300€ bereits technisch merklich bessere Alternativen gibt und auch im geringeren Preisbereich Exoten vorhanden sind, welche die technische Leistung des Shure erreichen oder sogar übertreffen.